Wie schreibt … Lisa Keil?

Zehn Fragen, ein Interview. In dieser Reihe erzählen Autor*innen, wie sie ihre Bücher schreiben.

Wann weißt du, dass eine Textstelle gelungen ist?

Wenn sie mich berührt und etwas in mir auslöst, ich beim Lesen lächeln, lachen oder weinen muss und ich mich den Figuren ganz nah fühle.

– Lisa Keil

Foto © Stefanie Lategahn

Wenn ihr mich und meine Angebote ein wenig kennt, wisst ihr, dass ich mit der Bestseller-Autorin Lisa Keil den Workshop SCHREIB DEIN BUCH! anbiete. Ich hatte auf einer Messe einen Vortrag von ihr gehört – und wusste gleich, mit ihr möchte ich mich austauschen! Und schon bei unserem ersten Telefonat hat es quasi Workshops gefunkt. 😃 Ich freue mich sehr, dass sie hier meine Fragen beantwortet.


Liebe Lisa, warum schreibst du Bücher?

Mit dem Schreiben habe ich angefangen, weil ich neben meinem Beruf als Tierärztin und dem Familienleben etwas ganz für mich haben wollte. Es sollte etwas Kreatives und Freies sein, bei dem ich ganz bei mir sein kann. Schon mit den ersten Kapiteln habe ich gemerkt: Ich habe mein fehlendes Puzzleteil gefunden.

Was ist die größte Herausforderung für dich?

Am Anfang war die größte Herausforderung, den Mut zu finden, mit meinem Manuskript „all-in“ zu gehen und es einer Literaturagentur anzubieten. Danach waren es die großen Erwartungen, Abgabetermine und oft das Gefühl, meinen Büchern in viel zu großen Schuhen hinterher zu stolpern. Ich musste dabei immer wieder über mich hinauswachsen.

Was macht dir am meisten Spaß?

Es ist ein großartiges Gefühl mitzuerleben, wie aus einer kleinen Idee eine Geschichte entsteht und sich verzweigt, wie Figuren im Kopf lebendig werden und ein Eigenleben entwickeln und sich manchmal Seiten füllen wie von selbst. Es gibt Lieblingsszenen, die sind einfach plötzlich da und ich muss nur mitschreiben, oder Gedankenblitze, die ein schwieriges Plotproblem einfach lösen. Diese Momente der Leichtigkeit sind mir beim Schreiben die allerliebsten.

Für wen schreibst du?

Meinen ersten Roman habe ich tatsächlich nur für meine Freundinnen geschrieben. Mein Plan war ein selbstgeschriebenes Weihnachtsgeschenk und ich habe sehr viel Persönliches und mein ganzes Herz hineingesteckt. Und irgendwie hat sich das auch nach dem großen Erfolg nicht geändert. Ich denke beim Schreiben als erstes mein Lieblingsmenschen.

Wo schreibst du am liebsten?

In meiner Lieblingsecke auf der großen Couch im Wohnzimmer mit Blick nach draußen. Weil ich mit der Hand schreibe, kann ich meinen Schreibplatz sehr flexibel wechseln: ins Bett, an den Küchentisch oder nach draußen in die Natur.

Planst du oder schreibst du aus dem Bauch heraus?

Es ist eine Mischung und auch ein bisschen mal so, mal so. Mein Plan ist meistens eher grob, Anfang, Ende, ein paar Hindernisse dazwischen, eine Hand voll Zutaten, die auf jeden Fall dabei sein sollen und vielleicht ein paar Trailermomente, die ich von Anfang an vor mir sehe. Dann schreibe ich einfach voran. Nur auf eine überzeugende Hauptfigur kann ich auf keinen Fall verzichten: Mal folgt sie mir, mal folge ich ihr und gemeinsam finden wir einen Weg.

Wann weißt du, dass eine Textstelle gelungen ist?

Wenn sie mich berührt und etwas in mir auslöst, ich beim Lesen lächeln, lachen oder weinen muss und ich mich den Figuren ganz nah fühle. Solche Abschnitte nehme ich auch besonders gern mit in Lesungen. Szenen, die mir sehr schwergefallen sind und für die ich lange gebraucht, kann ich oft gar nicht selbst beurteilen, sie wirken auf mich immer schwerfällig und konstruiert. Da brauche ich dann den ehrlichen Blick von Lieblingsmenschen, Agentin oder Lektorin.

Dein bester Rat fürs Schreiben?

Schreib, was du liebst. Wofür du dich selbst begeistern kannst, womit du dich auskennst, was dich berührt und beschäftigt, damit kannst du deine Leser*innen immer mitnehmen und es entsteht eine Geschichte, die nur du erzählen kannst. Wirf dein Herz hinein mit allem, was drin ist, erfülle dir Wünsche und lass deine stärksten Gefühle einfließen.

Was gibt dir Kraft beim Schreiben?

Das Leben drumherum. Meine Familie und meine Freunde, mein abwechslungsreiches Tierärztinnenleben, unsere Pferde (und ganz bald auch ein Hund). Dass ich selbst so viel Freude am Lesen und an guten Büchern habe. Und natürlich meine begeisterten Leser*innen, die meine Bücher verschlingen und wunderbare Nachrichten schicken.

Welches Buchprojekt liegt dir gerade oder als nächstes am Herzen?

Auch wenn viele auf den nächsten Roman warten, habe ich noch kein neues Buch begonnen. Ich brauche noch Zeit.

Stattdessen gebe ich mit sehr viel Freude weiter, was ich als Bestsellerautorin über das Schreiben und über gute Geschichten gelernt habe – in Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche und mit Workshops und Einzelcoachings für Erwachsene. Ich mag es sehr, mit anderen Geschichten zu planen und auszuarbeiten und mitzuerleben, was daraus entsteht. 


Vielen Dank für das Interview, liebe Lisa.

Lisa Keil landete mit ihrem ersten Roman Bleib doch, wo ich bin gleich auf der Bestsellerliste. Inzwischen hat sie drei Romane veröffentlicht. Sie lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern und den Pferden Radieschen und Chapter in einem mittelkleinen Ort zwischen Sauerland und Soester Börde in Nordrhein-Westfalen. Die Autorin arbeitet in ihrem Traumberuf als Tierärztin in einer ländlichen Praxis.


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