Wie schreibt … Anke Ernst?
Zehn Fragen, ein Interview. In dieser Reihe erzählen Autor*innen, wie sie ihre Bücher schreiben.
Was macht dir Spaß dabei?
Wenn ich schreibe, weiß ich meist, wo ich hinwill. Und trotzdem führen mich meine Worte immer wieder zu neuen Erkenntnissen. Ohne Ausnahme: Mit jedem Text lerne ich dazu. Das liebe ich so sehr!
– Anke Ernst

Foto © Anke Ernst
Heute möchte ich dir eine Autorin vorstellen, die aus einer ganz anderen Richtung kommt. Ich finde es immer bereichernd, über den Tellerrand zu schauen und dabei neue Anregungen mitzunehmen.
Anke Ernst ist Autorin und Schreibmentorin für Business-Texte. Letzten Sommer durfte ich einen Beitrag für ihren Newsletter schreiben, und nun freue ich mich sehr, dass sie meine Fragen beantwortet hat.
Liebe Anke, warum hast du dieses Buch geschrieben?
Reiner Luxus: Ich wurde vom Duden angefragt.
Die Redakteurin fand einen meiner SEO-Blogartikel und schrieb mich an. Meine Art zu schreiben sei genau das, was sie für die Ratgeberreihe Einfach können suchten. Ob ich mir vorstellen könne, den Band GUTE TEXTE zu schreiben. Natürlich hab ich zugesagt.
Im Gegensatz zum vorherigen Buch (ein Länderporträt Spanien für die Bundeszentrale für politische Bildung) schrieb ich den Ratgeber schnell – und das im Hochsommer, hochschwanger.
Eigentlich aber waren es acht Jahre. Acht Jahre, in denen ich zum Schreiben gebloggt, genewslettert und beraten habe. Dank dieser Erfahrung konnte ich innerhalb kurzer Zeit:
- einen schlüssigen roten Faden spinnen,
- die passenden Schwerpunkte setzen,
- Themen auswählen und – ebenso wichtig! – weglassen,
- in wenigen Worten buchstäblich zum Punkt kommen.
Was ist die größte Herausforderung für dich?
Mir nicht selber im Weg zu stehen. Mal ehrlich: Der Duden ist für mein Fachgebiet ein Ritterschlag. Ich wäre selbst nie im Leben darauf gekommen, ein Exposé dort einzureichen.
Oft fühlte ich mich versucht, besonders professionell zu klingen. Oder eben wie die Literaturwissenschaftlerin, die ich auch bin. Ich musste mich immer wieder daran erinnern, dass mich die Redakteurin wegen meiner Schreibstimme angefragt hatte. Dass ich also gut genug bin, und meine Themen nicht banal.
Meine Sturheit hat sich ausgezahlt. Mein Manuskript musste ich kaum verändern. Was ich besonders schön fand: Ich habe den Ratgeber in vier Teile aufgeteilt – und den ersten widme ich der Schreibstimme.
Was macht dir Spaß dabei?
Wenn ich schreibe, weiß ich meist, wo ich hinwill. Und trotzdem führen mich meine Worte immer wieder zu neuen Erkenntnissen. Ohne Ausnahme: Mit jedem Text lerne ich dazu. Das liebe ich so sehr!
KI kann ich zwar nicht mehr aus meiner Arbeit wegdenken. Aber schreiben lasse ich sie nicht. Der Schreibprozess bereichert meine Arbeit und mein Leben. Nie würde ich ihn abgeben wollen.
Dazu kommt: Ich schreibe für meine Leser*innen. Um mit ihnen in Verbindung zu treten. Gäbe ich das Schreiben ab, würde auch diese Verbindung verschwinden.
Inzwischen zeige ich auch meinen Kund*innen, wie sie sich von KI unterstützen lassen können, ohne ihre Schreibstimme zu verlieren.
Für wen schreibst du?
Der Ratgeber für den Duden richtet sich an Menschen, die im Beruf schreiben (müssen). Auf meinem Schreibcoaching-Blog schreibe ich, noch nischiger, für Soloselbständige.
Das Schöne an Soloselbständigen: Sie wollen meist die Welt ein bisschen besser machen. Ihre Herausforderung ist es, ihre Expertise in eigene Worte zu packen. In meinen Schreibkursen und 1:1-Schreibberatungen lerne ich also von ihnen – und kann ihnen wiederum helfen, ihre Schreibstimme zu aktivieren. So schreiben sie Texte, die gefunden und gerne gelesen werden. Win-win!
Eine Kundin, Kommunikationstrainerin, habe ich zum Beispiel bei einem Buchexposé unterstützt. Das wurde bereits beim zweiten Versuch von einem renommierten Verlag angenommen. Überzeugt haben ihre Expertise und ihre Schreibstimme.
Wo schreibst du am liebsten?
Dieses Interview schreibe ich im ICE. Ich liebe es, dass die Landschaft vorbeizieht und ich ein bestimmtes Zeitfenster habe, um an meinem Text zu werkeln. Reisen und schreiben war für mich schon immer die Traum-Kombi.
(Liebe Deutsche Bahn – darf ich für Euch eine Kolumne schreiben?)
Das klassische Im-Café-Schreiben mag ich aber auch. Ich kann gut schreiben, während Mitmenschen in angemessener Lautstärke etwas anderes tun. Es hilft mir meist, mich zu fokussieren.

Planst du oder schreibst du aus dem Bauch heraus?
Beides.
- Ich schreibe oft aus dem Bauch heraus, wenn mich etwas inspiriert. Dann schaue ich, wohin mich der Text führt.
- Aber als Autorin brauche ich auch Planung. Schließlich lebe ich vom Schreiben – da ist mir die Muse zu unzuverlässig.
Inzwischen habe ich ein Schreibsystem entwickelt, das spontanes und geplantes Schreiben kombiniert. So nutze ich das Beste aus beiden Welten. (Das System unterrichte ich übrigens in meinem Kurs „Der Schreib-Code“. Er richtet sich an Soloselbständige, die leichter und in ihrer Schreibstimme schreiben wollen.)
Wann weißt du, dass eine Textstelle gelungen ist?
Wenn ich nichts mehr löschen kann. Je länger ich schreibe, desto mutiger werde ich. Löschen verbessert Texte fast immer.
Wichtig ist:
- Die Gedanken sind nachvollziehbar, lassen aber Interpretationsspielraum. Schließlich sollen die Lesenden auch Raum im Text bekommen.
- Beispiele und Geschichten untermauern wichtige Inhalte.
- Sätze und Wörter sind klar und konkret. Keine vagen Buzzwords und Blabla.
- Die Formatierung unterstützt den Lesefluss.
Wenn ich mir den Text selbst vorlese, komme ich meist allem auf die Schliche. Und dann heißt‘s: veröffentlichen.
Übrigens: Ob Online-Texte gelungen sind, lässt sich messen. Schließlich optimieren wir sie für Mensch und Suchmaschine. Und keine Sorge: Schreibstimme und SEO schließen sich nicht aus. Mein Blog zum Beispiel rankt für 70+ relevante Keywords. Inzwischen hat Google sogar seine Algorithmen angepasst. Die Ziele:
- KI generierte Texte zu identifizieren.
- Authentische Inhalte von menschlichen Expert*innen zu erkennen und zu belohnen.
Dafür nutzt Google das sogenannte E-E-A-T-Prinzip: Experience (Erfahrung; allein diesen Faktor kann keine KI simulieren!), Expertise (Fachwissen), Authoritativeness (Autorität) und Trustworthiness (Vertrauenswürdigkeit).
Dein bester Rat fürs Schreiben?
Hab Mut zu zwei Dingen:
1. Schreib konkret. Oft stecken wir in unseren Köpfen fest und überspringen Gedankengänge, weil sie uns banal erscheinen. Aber die anderen sind nicht mit uns synchronisiert. Konkrete kleine Schritte und Gedanken machen einen Text erst greifbar.
2. Nutze Deine Schreibstimme. Dann schreibst Du leichter und klingst lebendiger. Die Folge: Deine Texte werden gelesen, weil sie eine Verbindung herstellen von Mensch zu Mensch.
Was gibt dir Kraft beim Schreiben?
Jetzt wird’s meta: das Schreiben selbst.
Wir alle kennen diese fiesen Zweifel:
- Ist der Text gut genug?
- Oder schlimmer: Bin ich kompetent genug?
Meine Strategie gegen Schreibblockaden: Ich schreibe trotzdem den schlechten, oft aber gar nicht so schlechten ersten Entwurf. Denn nur den kann ich überarbeiten.
Wenn mir trotzdem die Kraft fehlt, schreibe ich darüber. So verbinde ich mich wieder mit mir selbst. Daraus wiederum entstehen neue Gedanken und Inspiration.
Welches Buchprojekt liegt dir gerade oder als nächstes am Herzen?
Angefangen habe ich als Kunstkritikerin, deshalb bekomme ich ab und zu entsprechende Aufträge. Gerade schreibe ich am Porträt einer Künstlerin. Ich interviewe Zeitzeuginnen, recherchiere in Archiven, interpretiere ihre Kunst. Das Porträt wird auf der Website der Stiftung veröffentlicht, die ihren Nachlass verwaltet.
Die Verantwortung ist groß: Meine Worte, meine Interpretation ihres Lebens entscheiden mit darüber, wie sie in Erinnerung behalten wird.
Für mein Business plane ich, ein Buch im Self-Publishing zu veröffentlichen. Nur so viel: Es wird sich ums Schreiben drehen – und natürlich mit Fokus auf die eigene Schreibstimme. Mehr kann ich noch nicht verraten.
Last, not least: Seit 2020 verschicke ich jede Woche 3-Minuten-Schreibimpulse für Soloselbständige per E-Mail. Sie lesen sich, Zitat einer Leserin, „wie ein Brief einer guten Freundin“. Lass uns doch darüber in Kontakt bleiben.
Vielen Dank für das Interview, liebe Anke.
Anke Ernst ist Schreibmentorin, Autorin (u.a. für den Dudenverlag) und zertifizierte Bildungsreferentin. Seit 2015 unterstützt sie Soloselbständige und andere Expert*innen dabei, ihre Schreibstimme zu aktivieren.
- Spezialgebiete: SEO-Blogartikel, Newsletter, Sachbücher, Ratgeber.
- Motto: Menschen, die die Welt ein bisschen besser machen, sollten gelesen werden.
- Ziel: Texte, die gefunden und gerne gelesen werden.
Website: www.indeinenworten.de