Wie schreibt … Heike Abidi?

Zehn Fragen, ein Interview. In dieser Reihe erzählen Autor*innen, wie sie ihre Bücher schreiben.

Was man nie tun sollte: Etwas schreiben, was einem gar nicht behagt, nur weil es gerade angesagt ist.

– Heike Abidi

Foto © Gaby Gerster

Heike Abidi schreibt erzählende Sachbücher und Romane. Ich glaube, ich kenne kaum eine produktivere Autorin. Sie hat zahlreiche Bestseller für Erwachsene, Kinder und Jugendliche veröffentlicht, ist Präsidentin der DELIA (Die Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautor*innen), und sie schreibt auch immer wieder mal zu zweit. So wie den Roman Freundinnen bleiben wir immer (Erscheinungstermin 13. März 2024), den sie mit ihrer Freundin Ursi Breidenbach verfasst hat.

Liebe Heike, warum hast du dieses Buch geschrieben?

Nach dem Überraschungserfolg unseres gemeinsamen Sachbuches „Eine wahre Freundin ist wie ein BH“ hat unser Verlag angeregt, zum Thema Frauenfreundschaft einen Roman zu schreiben. Den Vorschlag fanden Ursi Breidenbach und ich super, wir hatten auch gleich eine vage Idee dafür: Nämlich, dass es um zwei Freundinnen gehen soll, die gemeinsam nach Nordholland reisen. Als wir uns zum Plotten bei ihr in Österreich trafen, stand sonst noch nichts fest. Am Vormittag begannen wir zu brainstormen, und am frühen Abend war das Exposé fertig. Inzwischen ist der Roman geschrieben, wir fiebern gerade dem Veröffentlichungstermin am 13. März 2023 entgegen und sind ganz gespannt, ob unsere Leser*innen die Geschichte genauso lieben, wie wir es tun.

Was war dabei die größte Herausforderung für dich?

Nachdem Ursi und ich bereits mehrere unterhaltende Sachbücher zu zweit geschrieben hatten, war das unser erster gemeinsamer Roman. Das erfordert natürlich eine ganz andere Vorgehensweise. Bei den Sachbüchern definieren wir vorab die Themen, strukturieren sie und legen fest, wer was schreibt. Dann arbeiten wir jeweils im eigenen Tempo. Beim Roman war das anders – da mussten wir das Timing aufeinander abstimmen, weil wir – aus zwei Perspektiven – abwechselnd geschrieben haben. Wir haben uns vorher genau überlegt, wie wir da vorgehen wollen, und einen Plan gemacht – das hat sich bewährt.

Was hat dir Spaß gemacht?

Zu zweit schreiben macht immer besonders viel Spaß, weil es dann noch jemanden gibt, der genauso tief im Projekt drinsteckt wie man selbst. Schon das gemeinsame Plotten war großartig, unsere Ideen haben sich wunderbar ergänzt und wir kamen superschnell voran. Beim Schreiben haben wir einander dann nach jedem Kapitel Feedback gegeben, und das hat unsere Texte besser gemacht. Toll war auch, wie wir uns gegenseitig überraschen konnten. Zwar war der Plot vorab festgelegt, aber die jeweilige Umsetzung und die Cliffhanger am Kapitelende kamen dennoch manchmal unerwartet.

Für wen schreibst du?

Ganz klar: für die Leserinnen und Leser. Nicht für mich, sonst würde ich Tagebuch schreiben (was ich nie gemacht habe). Mein Ziel ist es, zu unterhalten. Jemanden mit meinen Geschichten zum Lachen, Weinen, Schmunzeln, Nachdenken oder Träumen gebracht zu haben, ist das schönste Kompliment überhaupt.

Wo schreibst du am liebsten?

Meistens an meinem Schreibtisch, ganz unspektakulär. Hin und wieder aber auch mit dem Laptop auf dem Schoß im Wohnzimmer, manchmal sogar, während Fußball läuft. Irgendwie komme ich besonders gut in einen Schreibflow, wenn ich leicht abgelenkt bin. Plotten oder korrigieren kann ich aber nur, wenn ich ganz ungestört bin. Im Café oder im Zug arbeite ich nie – da lese ich lieber 😊

Planst du oder schreibst du aus dem Bauch heraus?

Ich bin ganz klar eine Plotterin. Bevor ich losschreibe, steht schon die ganze Geschichte fest. Allerdings nicht bis ins letzte Detail, manchmal werden Charaktere, die ursprünglich als Nebenfigur gedacht waren, doch wichtiger und bekommen einen größeren Raum als ursprünglich vorgesehen. Aber grundsätzlich ist der Handlungsablauf fix, bevor ich den ersten Satz schreibe. Wenn man zu zweit an einem Roman arbeitet, ist das sogar noch wichtiger. Ich persönlich könnte aber sowieso gar nicht anders arbeiten.

Wann weißt du, dass eine Textstelle gelungen ist?

Erst einmal muss sie mir selbst gefallen. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass sie bei den Leserinnen und Lesern gut ankommt. Ein erstes Feedback gibt mir immer eine gute Freundin, die bisher bei all meinen Büchern Testleserin war. Und meine Agentin, die mich manchmal sogar während des Lesens anruft und mir ihre Lieblingsstellen vorliest. Manchmal bin ich selbst ganz überrascht, welche Passagen andere besonders bewegen. Super Rückmeldungen bekomme ich auch während der Leserunden oder bei Lesungen. Ich finde den Kontakt mit meinen Leser*innen ganz wichtig – schließlich schreibe ich ja für sie.

Dein bester Rat fürs Schreiben?

Man sollte das schreiben, was einem besonders gut liegt, was man gut kann, was man auch selbst gern liest. Wobei – Letzteres stimmt nicht immer. Ich lese beispielsweise sehr gerne Thriller, aber das ist beim Schreiben einfach nicht mein Genre. Was man nie tun sollte: Etwas schreiben, was einem gar nicht behagt, nur weil es gerade angesagt ist. Dann verbiegt man sich bloß, und es kann auch nicht gut werden.

Was gibt dir Kraft beim Schreiben?

Positives Leser*innen-Feedback ist die beste Motivation überhaupt! Ich verlinke auf meiner Website zu allen Rezensionen und poste Zitate daraus auf Instagram und Facebook. Nicht nur, um für meine Bücher zu werben, sondern auch, um den Rezensent*innen zu danken und meiner Freude über ihre Worte Ausdruck zu verleihen.

Welches Buchprojekt liegt dir gerade oder als nächstes am Herzen?

Gerade habe ich einen weiteren Wohlfühlroman beendet, der 2025 erscheinen wird. Als Nächstes arbeite ich an einem unterhaltenden Sachbuch, diesmal ist es ein Einzelprojekt. Das Thema darf ich noch nicht verraten, aber sobald der Verlag dafür das Go gibt, werde ich das Cover natürlich zeigen. Ich bin schon ganz gespannt darauf! Und danach kommt wieder ein gemeinsames Sachbuch von Ursi und mir. Parallel entwickele ich momentan ein Exposé für einen weiteren Roman. Es wird also nie langweilig 😊

Danke für das Interview, liebe Heike.

Heike Abidi lebt mit ihrer Familie in der Pfalz bei Kaiserslautern, wo sie als freiberufliche Werbetexterin und Autorin arbeitet. Sie schreibt vor allem Unterhaltungsromane und erzählende Sachbücher für Erwachsene sowie Geschichten für Jugendliche und Kinder. Ihre Gute-Laune-Bücher mit Grips, Charme und Humor erscheinen unter anderem bei Penguin, Ueberreuter, Oetinger, EMF und Lübbe. www.AbidiBooks.de


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