Schreibvorsätze, die wirklich tragen
Transkript zum Podcast Inspiriert Schreiben. Folge 14
Hast du schon mal darüber nachgedacht, wie ein guter Schreibvorsatz dein Jahr verändern könnte, ohne Druck, ohne Leistungsstress?
In dieser Folge schauen wir gemeinsam, wie du einen Vorsatz findest, der wirklich zu dir passt. Der dich trägt, inspiriert und dein Schreiben sanft begleitet, ohne dich unter Druck zu setzen.
Hallo und herzlich willkommen. Ich bin Ulrike Hartmann, Autorin und Schreibmentorin, und du bist hier mit bei mir in Inspiriert Schreiben. Hier dreht sich alles um Inspiration, um Lebendigkeit und die Freude am kreativen Tun.
Und gerade jetzt, Anfang Januar, fühlt sich die Zeit vor uns oft an wie ein unbeschriebenes Blatt. Noch offen, noch leicht, noch voller Möglichkeiten für das Jahr.
Und fast wie von selbst taucht diese Frage auf: Was nehme ich mir vor? Auch für mein Schreiben. Vielleicht kennst du das, diese Mischung aus Hoffnung und Druck, aus Lust und einem leisen „Jetzt sollte ich aber“.
Schreiben und Vorsätze
Beim Schreiben ist es mit den Vorsätzen ein wenig anders als bei vielen anderen Dingen. Jedenfalls ist das mein Eindruck. Denn du kannst Schreiben nicht einfach abarbeiten. Du kannst es nicht erzwingen. Es braucht Freiheit, es braucht Spielraum, eine innere Bewegung, und gleichzeitig braucht es Halt. Und deshalb geht es in dieser Folge um Schreibvorsätze, die dich tragen. Nicht als To-do-Liste, auch nicht als Leistungsversprechen, sondern als etwas, das deinem Schreiben Richtung geben kann, ohne es gleichzeitig einzuengen.
Vorsätze haben ja oft einen zwiespältigen Ruf. Wir kennen das alle. Wir melden uns im Fitnessstudio an, und zwei Monate später tauchen wir nicht mehr auf. Oder wir sagen uns, wir möchten ganz gesund leben, und bald ist es dann auch wieder im wahrsten Sinne des Wortes gegessen.
Viele Vorsätze entstehen aus einem Antreiben heraus, aus einem Gefühl von Mangel.
Ich muss doch wieder…
Ich mache zu wenig.
Eigentlich müsste ich…
Und genau das ist, so glaube ich, beim Schreiben eher ungünstig. Denn Vorsätze, die aus Kritik, aus Druck oder Selbstverurteilung entstehen, die werden schnell hart. Sie werden eng, sie werden belastend, und sie machen eigentlich auch wenig Freude. Sie ziehen den Raum um dich herum eher zusammen, anstatt ihn zu öffnen. Und ich glaube, das macht das Schreiben schwerer, anstatt es zu erleichtern.
Hör zu auf

Für mich ist ein guter Vorsatz etwas, das aus etwas entsteht, was nicht fehlt, sondern aus dem, was ich mir für mein Schreiben wirklich wünsche, was mich unterstützt. Und zwar aus Neugierde, aus Freude, aus Lust am Tun, aus dem Bedürfnis nach Raum, nach Verbindung, nach Inspiration.
Für mich ist ein guter Vorsatz wie eine gute Freundin. Nicht laut, nicht antreibend und auch gar nicht irgendwie verachtend, sondern erinnernd.
Schreiben ist kein gerader Weg. Es ist eine Beziehung. Und Beziehungen brauchen Pflege. Sie brauchen Aufmerksamkeit und Freundlichkeit und nicht nur Ziele.
Der erste Schritt: Innehalten
Wie also können wir tragfähige Vorsätze entwickeln? Ich glaube, der wichtigste Schritt passiert vor jeder Formulierung. Er beginnt mit dem Innehalten, mit der ganz ehrlichen Frage: Wie ist meine Beziehung zum Schreiben gerade? Nicht bewertend, nicht beschönigend, auch auf keinen Fall verurteilend, sondern einfach wahrnehmend.
Fühlt sich das Schreiben lebendig an oder liegt es mir eher fern?
Braucht es gerade Weite oder eher Struktur?
Fehlt mir Inspiration oder fehlt mir die Sicherheit?
Brauche ich Austausch oder Rückzug?
Oder vielleicht brauche ich einfach mehr Körper, mehr Bewegung, mehr Erdung. Wir haben ja in den letzten Folgen über Schreibrhythmen geredet und auch über Bewegung und Schreiben. Und das ist wirklich ein nicht zu verachtender Faktor.
Ein stimmiger Vorsatz greift deinen Zustand auf. Er entwirft nicht ein Idealbild, sondern nimmt deinen Zustand und versucht, etwas zu fördern, etwas zu finden, was dir gerade helfen kann, in diesem Zustand, in dem du gerade bist.
Die Frage ist: Was würde mir beim Schreiben im Moment helfen?
Klein, konkret und tragfähig
Ganz wichtig: Große, diffuse Ziele, wie „Ich schreibe dieses Jahr mein Buch“, wirken oft überfordernd und entmutigend. Denn wie willst du das anfangen? Ein Vorsatz sollte eher klein sein, konkret und machbar, sodass er dich unterstützt und dir Freude bringt, weil du vorankommst, statt Druck zu erzeugen. Mit anderen Worten: Ein guter Vorsatz fühlt sich ruhig richtig an, wie ein leises: Ja. So könnte es gehen.
Nicht wie ein innerer Befehl.
Er darf klein sein. Er darf sich verändern. Er kann ein vorläufiger Vertrag mit dir sein. Du kannst tatsächlich auch ein kleines Schriftstück aufsetzen und dann selbst unterschreiben, dass du dir versprichst, ihn einzuhalten. Aber im Grunde ist er immer eine Einladung.
Beispiele für tragfähige Vorsätze
Damit das nicht abstrakt bleibt, was ich hier erzähle: Wenn wir zum Beispiel diesen berühmten Spruch nehmen „Dieses Jahr schreibe ich mein Buch“ – wie kann ich das in kleine, tragfähige Schritte unterteilen, die dich beim Schreiben unterstützen und nicht von vornherein wie ein riesiges Damoklesschwert über dir hängen?
Du könntest anfangen, die Bereiche, die du entwickeln willst, zu unterteilen. Zum Beispiel den Bereich Inspiration. Brauchst du mehr Inspiration?
Dann könnte ein ganz konkreter Vorsatz sein: Ich lese wieder täglich, ohne sofort etwas daraus machen zu müssen.
Oder: Ich sammle Sätze, Bilder, Eindrücke, einfach um meine innere Schale zu füllen.
Oder du schaust auf den Bereich Körper und Bewegung. Du könntest dir vornehmen: Ich gehe jede Woche ein Mal spazieren und notiere mir danach drei Ideen für Figuren. Oder: Ich mache vor dem Schreiben fünf Minuten Dehnübungen, um Körper und Geist vorzubereiten.
Oder: Ich tanze zu meiner Lieblingsmusik fünf Minuten, bevor ich mich ans Schreiben setze.
Du könntest den Bereich Zeit und Schreibrhythmus, also die berühmten Schreibroutinen, in den Fokus nehmen. Du könntest dir sagen: Ich schreibe Montag, Mittwoch und Freitag jeweils eine halbe Stunde, und zwar um (…) . Und dann setzt du deine Lieblingsschreibzeit ein.
Oder: Ich lege einen festen Schreibmorgen in der Woche fest, unabhängig vom Ergebnis.
Wenn du lieber an deinen Figuren arbeiten möchtest und an den Stoffen, wäre ein Beispiel: Ich nehme mir jeden Dienstag eine halbe Stunde Zeit, einer Figur zuzuhören und ihre Eigenheiten zu notieren. Es gibt ja ganz viele verschiedene Werkzeuge und Möglichkeiten, sich Figuren zu nähern. Das werden wir sicherlich noch in einer der Folgen besprechen.
Oder: Ich vertiefe einen Stoff, ohne sofort eine Szene daraus zu machen.
Es geht darum, dass du etwas findest, was sich für dich gerade wirklich richtig anfühlt.
Du könntest auch im Bereich Handwerk vorangehen:
Im Januar wähle ich eine Dialogtechnik und schreibe drei kleine Szenen dazu.
Im Februar werde ich versuchen, Spannungsbögen näher zu erforschen.
Du könntest dich dem Handwerk so nähern. Du übst bewusst eine Technik, aber ohne sie bewerten zu müssen.
Und natürlich gibt es auch den Bereich Unterstützung:
Ich treffe mich einmal im Monat mit einer Schreibgruppe.
Oder: Ich gönne mir eine Stunde mit einer Schreibmentorin, um Impulse zu bekommen oder um ein Feedback zu bekommen, mit dem ich arbeiten kann.
Wichtig ist nicht, welcher Vorsatz es ist, sondern ob er dich stärkt, ob er dich aufrichtet und in Kontakt mit deinem Schreiben bringt.
Ich habe dir auf meiner Website ein Arbeitsblatt hochgeladen, das du wie immer downloaden kannst, wenn du dich zum Newsletter anmeldest. Dann bekommst du das Passwort zugeschickt, und mit diesem Arbeitsblatt kannst du deinen eigenen Vorsätzen ganz gut auf die Schliche kommen.
Mut zum Schreiben
Was mir ganz besonders wichtig ist: Es wird Tage geben, an denen ein Vorsatz nicht eingehalten werden kann oder schlicht nicht eingehalten wird. Und genau hier entscheidet sich alles. Bitte, beschäm dich nicht. Bring dich einfach zurück zum Schreiben. Mach dich nicht selbst fertig.
Ich weiß nicht, wie rigoros deine inneren Stimmen sind, aber ich muss bei mir immer wieder aufpassen, mich nicht viel zu sehr zu verurteilen, viel zu stark anzuklagen, wenn ich etwas nicht schaffe. Wichtig ist Ermutigung!
Nicht diskutieren. Nicht analysieren. Nicht weiter abwerten.
Einatmen. Ausatmen. Und dann erinnere dich: Nicht Beschämung, sondern Ermutigung hält dich im Schreiben.
Stell dir vor, dein Vorsatz ist wie ein Pfad im Wald, und dann stolperst du, du bleibst stehen oder du setzt dich hin, weil du eine Pause brauchst. Das bedeutet ja nicht, dass der Weg weg ist. Es bedeutet nur, du darfst neu ansetzen. Richte dich auf, Krönchen richten, weitermachen. Ein guter Vorsatz spricht in solchen Momenten nicht streng mit dir, sondern aufbauend, freundlich erinnernd.
Die Erkenntnis für heute: Ein guter Schreibvorsatz ist kein Versprechen an ein besseres Ich. Er ist eine freundliche Erinnerung an dein jetziges Ich.
Leise, tragfähig und beweglich.
Gute Vorsätze mit dem Schreiben haben mit Beziehung zu tun, mit Wahrnehmung, mit Wahrheit und mit der Entscheidung, dich selbst immer wieder zu ermutigen.
Das war es schon wieder für heute. Ich wünsche dir, dass du, wenn du es möchtest, einen Vorsatz findest, der genau zu dir passt und der dich beim Schreiben weiterbringt, der dir Halt, Freude und Vertrauen schenkt.
Ein gutes Schreiben und bis zum nächsten Mal.
Deine
Ulrike Hartmann
